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Test CarolBrass CTR-8060H-GLS-S Balanced Trompete

Test CarolBrass CTR-8060H-GLS-S Balanced Trompete

Ich bin eine stolzer Besitzer von der versilberten CarolBrass  CTR-8060H-GLS-S Balanced Trompete.

Um direkt mit Kritik zu beginnen (das ist dann aber auch die einzige): in meinen Augen ist es keine schöne Trompete. Trotz ihres Namens, Balanced, ist es eine Trompete, die unverhältnismäßig erscheint. Die Ventile neigen weit in die Richtung des Bechers, die "hintere Biegung" ist dichter am Gesicht als das Mundstück und durch das schief geratene Verhältnis sieht es etwas gestreckt aus, und nach vorne hin zu unruhig und zu stark aneinander gebaut. Man könnte es auch "solide" nennen.

Die Idee kommt vom der alten Selmers, die unter anderem Louis Armstrong und Jarry James benutzt haben. Daneben ist auch die Olds Recording als ein balanced model bekannt. Der Ventilblock liegt ein wenig weiter vorne und der Becher etwas weiter hinten, mit der Idee, dass das Instrument dann gut in der Hand liegt. Wo eine normale Trompete nach vorne kippt, liegt diese Trompete einfacher waagerecht. Was ein weiterer Vorteil sein sollte, ist mir nicht ganz klar, aber Fakt ist, dass sie sich schön festhalten lässt.

Die Form also. Doch ein unterscheidbares Instrument. Als ich die Trompete gerade hatte, schrieb ich als ersten Kommentar an den Händler Harry van der Brug, dass ich es eigentlich mehr eine Bestie als eine Trompete fände. Am ehesten lässt mich dieses Tuthorn noch an einen Skorpion denken, mit dem Stachel schräg aus dem Hinterleib nach vorne gerichtet. Der CarolBrass Scorpion wäre ein einprägsamer Name für diese bestialische Trompete, denn diese Trompete kann sich schön in einer Sektion verstecken, aber auch stechen, wenn dies nötig ist. Wahnsinn, was für ein Klang in dieser Trompete steckt. Viel, fett und geschmeidig fasst es ungefähr gut zusammen.

Abgesehen von der Form hat die Trompete, so wie alle CarolBrass Trompeten eine schöne Ausführung. Ich habe die versilberte Version, aber die Gelackte habe ich dieses Jahr bereits auf der Frankfurter Messe in den Händen gehalten, und die sah auch sehr gut aus. Sie ist mit schweren, geraden, komplett versilberten Ventilkappen ausgestattet, wobei die Ventile schön in den Kappen versinken. Ansonsten ein normales Stimmrohr (nicht umgedreht), Sterling Silber Mundrohr, was dem Klang ein bisschen Pfiff geben und der Korrosion des Materials entgegen wirken muss, ein großer (72 flare in Bachmaten) 5” Becher in Goldbrasse vor einem warmen Rand und der Rest in Messing. Es gibt eine von Vincent Bach geliehene Anschlagschraube auf der dritten Ventilpumpe, was der Trompete ein extra robustes Aussehen verleiht. Last but not least: Große Amado Wasserklappen, die schnell eine Menge Wasser ableiten.

Was mir direkt ab den ersten Noten auf der Messe, zwischen dem enormen Trubel der andere Stände, auffiel, war der große Klang dieser Trompete. Daneben auch das flüssige und offene Spielgefühl, ohne dass man sich einen Bruch blasen muss oder sich ein bisschen verirrt, so wie es sehr offene Trompeten meiner Meinung nach manchmal tun. Ich hatte ein paar CarolBrass Trompeten ausprobiert, aber war fasziniert durch die Form von dem "Skorpion", und wollte sie doch gerne spielen. Ich konnte direkt von tief bis hoch spielen mit einem krassen Klang, der nicht sofort in der Masse unterging. Auf der Messe habe ich auf vielen gespielt, aber ich kam doch immer wieder zu dieser Balanced zurück.

Auch nach einer Woche studieren, Proben und einem Konzert, fällt mir auf, wie groß der Klang ist. Auffällig ist auch, dass die Trompete sehr klar schloss, ohne an Geschmeidigkeit einzubüßen. Tatsächlich habe ich selten so einen geschmeidigen und gleichzeitig klaren Bläser gespielt. Meistens ist es das eine oder das andere. Bei geschmeidig fühlt sich eine Trompete schon leicht vage an, und bei betont fühlt sie sich leicht trotzig an. Da hat diese keine Beschwerden von. Die geschmeidigen Ventile (CarolBrass ist hierfür mittlerweile bekannt) sorgen da tatsächlich für, aber die Übergänge zwischen Tönen und Registern sind leicht, und klicken mit einem warmen Plumps (fast Flügelhorn-artig) von einem zum anderen Ton. Das spielt sich sehr angenehm und klingt sehr schön. Die Trompete hat einen schönen großen und hellen Kern und projiziert einfach. Ich stehe selbst mehr auf etwas dunkler klingende Trompeten, aber da besteht die Gefahr, dass es etwas zu dumpf wird, etwas zu seidenartig oder zu wenig in einem Bereich projiziert. Diese Trompete kann man von sehr rund bis grell färben. In Bezug auf Charakter lässt diese Trompete mich stark an mein Maß der Dinge denken: die Connstellation. Sowohl Chet Baker als auch Maynard Ferguson spielten auf dieser legendären Trompete, und diese balancierte CarolBrass hat ein wenig eine Connstellation-Seele. Ich kann mir vorstellen, dass man hierauf gut Lead spielen kann, aber ich als Solist fühle mich wie ein Fisch im Wasser mit diesem geschmeidigen und dicken Bläser. Für die Veränderung habe ich ein Flügelhorn-artiges Mundstück drauf gesetzt (ich spiele schon jahrelang Curry, und die haben ein TF-Trompeten Flügelhorn-Modell, mit einem tiefen V-Cup) und das ließ sie sich direkt gefallen. Die selbe Geschmeidigkeit, Bereich und Kern, aber dann etwas dunkler. Passte sehr gut und ist auf jeden Fall etwas, das ich auf der Bühne benutzen kann. Die Intonation ist sehr schön. Wenig Kompensation nötig auf dem tiefen Cis und D, A/E mit dem dritten Ventil klingt gut, und jeder Ton ist gut zu finden und sauber.

Zu der Trompete gehört noch ein Set an leichteren Ventilen und Kappen. Ich hab dieses Set auch ein Mal aufgesetzt, und meiner Meinung nach macht es die Trompete etwas unklarer und vager. Auch der schöne dicke Rand. Ich bleibe auf jeden Fall bei den schwereren Kappen.

Sowie bei nahezu allen Carolbrass gehört neben einer runden auch eine viereckige (D) Stimmpumpe dazu. Das habe ich ausprobiert. Der Klang bleibt damit gleich, aber ich vermisse ein bisschen die Geschmeidigkeit, die diese Trompete gerade so einzigartig macht. Natürlich ist das ziemlich persönlich. Ich kann mir vorstellen, dass man gerade den extra Widerstand angenehm findet.

Dann habe ich noch nichts über den Koffer erzählt. Der ist eine schöne Kopie von den Koffern, die Bach in den Achtzigerjahren für seine Trompeten verwendete. Meine erste (und einzige) Vincent Bach aus '86 war in exakt demselben Koffer. Ich glaube, dass sie damals noch aus Leder waren, wo es nun Kunststoff ist, aber so fühlt es sich auch gut an.

Im Koffer ist außerdem noch ein 1 1/2C CarolBrass Mundstück, welches ich nicht ausprobiert habe, Ultra Pure Öl (damit habe ich nichts zu tun) und Pumpenfett. Also ein komplettes Set.

Fazit: Dies ist eine ordentliche Allround-Trompete mit einem großen Kern, geschmeidigem Spielverhalten, perfekter Intonation und einfach und deutlich über den ganzen Bereich bis weit über das hohe C. Die Form muss man mögen, sie macht die Trompete in jedem Falle erkennbar und eigen, aber es geht doch vor allem darum wie sie klingt und sich spielen lässt, und das ist bei diesem Skorpion unter den Trompeten in jedem Falle mehr als in Ordnung. Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr günstig. Die Konkurrenz beginnt erst bei dem doppelten Preis.

Eine vollwertige professionelle Trompete. Empfehlung!

Bert Lochs

Website: Bert Lochs

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